Seitenblick: Singen boomt!

Bayerische Staatszeitung, Kultur, 27.04.2017 (dpa)


Singen boomt

Vor allem Kirchenchöre haben großen Zulauf von Kindern und Jugendlichen. Auslöser dafür sind auch Castingshows. Auch Daniel Schalz vom Deutschen Chorverband ist der Ansicht, dass TV-Sendungen wie "The Voice of Germany" geholfen haben, dass Kinder und Jugendliche singen heute "cool" finden:
"Vor allem in den letzten 10 bis 15 Jahren gibt es bei den Kinder- und Jugendchören einen regelrechten Gründerboom", sagt Schalz. Im Deuschen Chorverbans sind rund 21 000 der etwa 60 000 Chöre in der Bundesrepublik Mitglied. Ähnliches berichten der katholische Verband Pueri Cantores und der Chorverband in der Evangelischen Kirche in Deutschland (CEK).

Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Immer wieder hört man vor allem eines: "Diese ganzen Castingshows haben wahrscheinlich doch dazu beigetragen, dass viel mehr Leute wieder singen wollen", sagt Thomas Jost vom CEK. Für wichtig hält er aber auch Veränderungen in der Schulpädagogik, darunter weniger Vorsingen vor der gesamten Klasse, und eine gesellschaftliche Entwicklung. "Chorgesang hatte es in Deutschland nach dem Krieg immer schwer", sagt Schalz. Erst seit der Wende habe sich das Image der einst vom Nationalsozialismus vereinnahmten Musik zum Positiven gewandelt.

Eine neue Freude am Singen also, die nicht auf feste Chöre beschränkt bleibt. So trafen sich im vergangenen Dezember 40 000 Menschen im Kölner Fußballstadion, um gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. "Chorsingen bietet Ausgleich zum allgemeinen Stress, zum allgemeinen Effizienzstreben", sagt Friederike Dahlmann von Pueri Cantores.

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