Gut und Geld ? - oder: Ruhm und Ehre?

Gut und Geld ?  - oder: Ruhm und Ehre?  

Wie herrlich wäre es doch, wenn wir die „alten Zeiten“ wieder hätten! Da gab es noch 80 Mann starke Traditions-Männerchöre, deren Mitglieder es sich zur Ehre anrechneten, in ihrem Heimatort stimmstark auftreten zu dürfen. Lehrer oder Kantor dirigierten - Jung und Alt sangen, was das Zeug hielt. Wo sind sie geblieben? Selbst in unserer chorstarken Region hört man vom großen Chorsterben, vom Überaltern der Sänger, von der Übermacht der Medien, die uns mit mehr oder weniger guter Musik berieseln. Ein altes Thema – immer neu aufgewärmt und beklagt!

Aber: Jammern hilft nicht!  Chorlandschaft 2020 -  eine Tagungsreihe des Kreis-Chorverbandes Bad Kreuznach - ist bemüht, dem überkommenen Denken Einhalt zu gebieten, alte Strukturen aufzubrechen, Aufklärungsarbeit – auch auf rechtlicher Grundlage – zu leisten und vor allem:  Neue Wege zu beschreiten!

An einem Frühlings-Samstag im März 2012 nahm eine Delegation des "Collegium Vocale" an einer Informationsveranstaltung von Chorlandschaft 2020 teil. Es hatten sich  36 Seminarteilnehmer (Vorstandsmitglieder und Chorleiter) zusammengefunden, um sich dem Thema und somit neuen Herausforderungen zu stellen.

Zunächst gab es auch für „alte Hasen“, die bereits Jahre  oder Jahrzehnte lang Vorstandsarbeit leisten, viel zu lernen. Keine singende Gemeinschaft funktioniert von allein, kein „e.V.“-Stempel ist für alle Ewigkeit vergeben, kein Chorleiter kann es sich leisten, kostenlos zu arbeiten, es gibt keinen Dukatenesel und schon gar nicht Chorqualität zum Nulltarif. Es gibt Fußangeln beim Finanzamt, wenn man zu viel Geld gespart hat (aber trotzdem die Finanzen nicht reichen, um einen Saal zu mieten oder eine Orchestergruppe zu verpflichten).

Und selbst wenn alle Kriterien stimmen, bleiben die Fragen: Wer und wo ist unser Publikum? Wer lässt sich „Chor“ noch etwas kosten, wer interessiert sich für Mendelssohn und Bach? Wie finanzieren wir uns als Chor? Reichen die Mitgliedsbeiträge zur Kostendeckung (fast nie!) oder müssen wir Fischbrötchen verkaufen, um Geld zu verdienen und weiter singen zu können? Woher bekommen wir „frisches Blut“ - neue, aufgeschlossene, möglichst junge Sängerinnen und Sänger, aber auch ebensolche Zuhörer?

In drei Workshops veranstalteten die Seminarteilnehmer ein „brain storming“ – also im wahrsten Sinne des Wortes einen „Sturm im Gehirn“!

Verbands-Rechtsanwalt Malte Jörg Uffeln fasste kurz und prägnant zusammen, was 36 Teilnehmer in sicher mehr als 300 Antworten notiert hatten:

Respect it  (Situation zur Kenntnis nehmen):   JA, es werden Chöre sterben. Sehen Sie die Entwicklung, wie sie ist. Es wird weiter gesungen – aber anders. Es entstehen andere Chöre. Es gibt einen Wechselprozess: die Vereinslandschaft wandelt sich um vom klassischen Gesangverein zum Dienstleistungs-Chor!

Think positive  (Positiv denken):   Sagen Sie wie US-Präsident Barack Obama: „Yes, we can“. Anderes Wetter kündigt sich immer durch frischen Wind an – lassen Sie sich davon mitreißen, statt vor Schreck zu erstarren!

Sponsor it  (Finanzielle Unterstützung):  Lassen Sie uns neue Wege gehen, unkonventionelle Methoden erfinden! Unsere Chöre sollen überleben – auch und nicht zuletzt finanziell. Lassen Sie es nicht zu, dass plötzlich am Jahresende das große AUS steht, weil wir unsere Kosten nicht mehr decken können. Es gibt Stiftungen, die „Glücksspirale“, vielleicht private Sponsoren. Der Kreis-Chorverband bietet Hilfe an – haben wir den Mut, sie anzufordern!

Do it  (Etwas tun):  Jeder dieser Aspekte muss umgesetzt werden; jede noch so verwegene Idee ist es wert, sie zu erproben.  Irgendetwas geht immer!

Bei all den Formalien, Finanzdiskussionen und sorgenvollen Gedanken brachte es einer der Seminarteilnehmer schlicht auf den Punkt:

Wir singen doch aus Freude – das ist Gesundheit für kleines Geld!

(Diesen Artikel aus der regelmäßig erscheinenden Publikation "Vocalist" des Mitgliedsvereins "Collegium Vocale" dürfen wir mit freundlicher Erlaubnis der Schriftleiterin Dorothee Gutermilch hier veröffentlichen. Herzlichen Dank!)